Für nur 10.- Euro hat die grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung das nebenstehende reich illustrierte Buch mit Beiträgen chinesischer Regimekritiker herausgegeben.
Wie China debattiert
Neue Essays und Bilder aus China
Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.)
200 Seiten;
zahlreiche Fotografien
ISBN 978-3-86928-009-7
China erhitzt die Gemüter. Für die einen ist es ein Land des schwierigen Umbruchs, das den wirtschaftlichen Erfolg sucht und sich langsam der Demokratie öffnet; für die anderen ist es ein autoritärer Staat, der die Rechte von Minderheiten und Regimegegnern mit Füßen tritt. Tatsächlich wird über die notwendigen politischen und wirtschaftlichen Reformen in China zunehmend auch öffentlich und kontrovers debattiert. Die Akteure und Inhalte dieser Debatten sind außerhalb Chinas allerdings kaum bekannt. Das wird sich mit diesem Sammelband ändern. Er stellt einige kritische chinesische Intellektuelle mit aktuellen, anregenden Essays in deutscher Erstveröffentlichung vor. Alle Texte sind in China publiziert worden und haben die politischen Debatten stark beeinflusst.
Der Band bietet Beiträge von Xu Youyu, Cui Weiping, Qin Hui, Fu Guoyong, Li Changping, He Weifang, Yu Jianrong, Zhan Jiang, Hu Angang, Liu Junning und Yu Keping.
Das Buch ist gegen einen Unkostenversandbeitrag von 10,00 Euro bei der Heinrich-Böll-Stiftung erhältlich.
Bestelladresse:
Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Schumannstr. 8
10117 Berlin
Fon +30 - 285 34-0
Fax +30 - 285 34-109
E-Mail: info@boell.de
Ich hab's auch bestellt und will mit dem Abdruck eines daraus vorab veröffentlichten Artikels für diesen sicherlich hochinteressanten Band etwas Werbung machen:
Von den Reformen zur Systemreform: Was entscheidet über die Zukunft Chinas?
Von Liu Junning
Übersetzt von Barbara Hoster
Liu Junning, 1961 in der ostchinesischen Provinz Anhui geboren, ist Politikwissenschaftler und Mitgründer des Cathay Institute for Public Affairs.
Die Geschichte der Volksrepublik China begann im Jahre 1949. Seitdem hat China drei Phasen durchlaufen: die Jahre von 1949 bis 1976, von 1976 bis 1978 und von 1978 bis 2007. In den fast dreißig Jahren der letzten Phase lautet das Schlüsselwort "Reformen".
Im Jahre 1978 wurde in China der Reformkurs eingeschlagen. Hätte man damals nicht begonnen, China zu reformieren, dann wäre der Staatsapparat zusammengebrochen. Mit dem folgenden Bild möchten wir die von China gewählte Art der Reform veranschaulichen: Wenn ein Gebäude Schäden aufweist, aber seine Konstruktion noch solide ist, kann man das Problem durch Umbau oder Stabilisierung lösen.
Wenn aber seine Fundamente nicht mehr tragfähig sind, muss man das Gebäude abreißen und neu errichten. Dieser Gedanke kommt einem auch bei der Beurteilung des Fundaments des chinesischen Systems. 1978 lautete das Urteil von Deng Xiaoping: Die Gesellschaftsstruktur Chinas ist mit Problemen behaftet, aber diese Probleme sind nicht existenzgefährdend. Die Situation kann durch stabilisierende Maßnahmen geändert werden, d. h. der Sozialismus kann sich durch Reformen selbst verbessern. Daraufhin schlug China den Weg gradueller Reformen ein. Das Gebäude des Sozialismus sollte durch schrittweise Reformen, durch Stabilisierung und Umbau wieder solider und standfester werden. So begann in China das Zeitalter der Reformen.
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