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Hinweis: Diese Hintergrund-Dokumentation des Georgien-Konfliktes erstreckt sich über mehrere Tage und Seiten. Meine Einleitungsseite ist vom Tag 1, dem 8. August. Die Periode ist 8.- 11.8., und Schlussbetrachtungen ausgenommen meiner gehen bis 14.8..
Ein Inhaltsverzeichnis ist am Ende dieser Seite 1.

Fast zeitgleich zum olympischen Feuerwerk in Peking hat der georgische Präsident Saakaschwili den Feuer- und Marschbefehl nach zwei Monaten "Erhitzung der Gemüter in Tiflis und Moskau" auf das seit 1990 "abtrünnige" Südossetien gegeben. Einige Zivilisten (die Mehrheit hat einen russischen Pass) und russische Soldaten einer "Friedenstruppe" kamen schon um. Georgien sagt, die südossetische Hauptstadt Tschinwali unter Kontrolle zu haben, Moskau hat nach "Hilferuf der Bevölkerung" nun Panzereinheiten in die Provinz geschickt. Das alles ist in den letzten 24 Stunden passiert, weitere Nachrichten entnehmen Sie bitte »»den Nachrichten,Abchasien-Südossetien denn mir geht es hier um originäre Dokumentation, und zwar, sollte es so weitergehen wie es anfängt, diesmal von Anfang an.

Dazu also vorneweg ein paar Worte: ich weiss sehr viel
über Russland und die Sowjetunion, ich weiss fast nichts über Georgien oder die separatistischen Regionen Südossetien und Abchasien. Ich schreibe auch sehr ungern über Dinge, bei denen ich mir mein Wissen quasi parallel anlesen muss, zumal wie immer in solchen Konflikten jede Seite die andere als "Aggressor" bezeichnet und die Medien meist interessegesteuert berichten.
Notoperation Keller Krankenhaus Tschinwali 10AugAndererseits fühle ich mich als -regelmäßige Besucher wissen das - gestandener Russlandberichter fast schon gezwungen, an diesem Thema nicht vorbeizuschlingern, denn Russland ist ja impliziert und vielleicht redet man bald hier und da über ein zweites Tschetschenien oder ähnliches.
Ich kenne also die Geschichte der Region und des Konfliktes noch kaum, ich stehe natürlich auch auf keiner Seite, außer auf der der Zivilbevölkerung. Und hier geht das Problem schon los, denn die hat Russland zu Hilfe gerufen.
Man ratet aber sicherlich nicht daneben, wenn man denkt, es geht um nationale Minderheiten, um Macht(cliquen) und wohl auch um regionale Geopolitik und globale Propaganda. Der Kaukasus hat Öl, Ossetien nicht; das Land ist ein Armenhaus mit 50% Arbeitslosigkeit.

Historische Information: sehr gut erscheint mir die (lange) »»» Wikipediaseite

Warum also so superschnell anfangen, hier mit diesem (vielleicht) Krieg ein weiteres (vielleicht) Dauerthema aufzumachen? Ganz einfach: sollte dies ein Krieg werden, hat der Westen ein Gretchenproblem, und natürlich auch unsere Medien. Es geht um Separatismus. Im Falle des Kosovo hatte der Westen salopp gesagt viel Verständnis für die damalige Partialtrennung von Serbien (auch ich) und die spätere Unabhängigkeit (ich nicht). Im Falle Tschetscheniens wurde (ich nicht) Russland als Imperator und Aggressor geoutet. Heute aber ist der Freund des "abtrünnigen" Volkes nicht der Westen, sondern Russland, also die Zielmacht westlicher Isolationspolitik, der Gegenspieler westlicher Geopolitik.

So könnte es sich ergeben, dass die Separatismusfrage auf einmal völlig anders gesehen wird und auch unsere Medien in ein georgisches Horn blasen. Vielleicht. Ich weiss es noch nicht, die Situationen sind noch vor dem Entstehen.

10.8. Kaum so gesagt, schon geht es los. Heute outet sich das Handelsblatt, Zitat der ersten beiden Absätze, so:
Das Imperium schlägt zu
Prag hatte gerufen, Kabul auch und nun Zchinwali: Als die Sowjetunion den Prager Frühling mit den Ketten ihrer Panzer in der damaligen Tschechoslowakei niederwalzte, tat sie es, weil die dortigen Kommunisten angeblich Moskau um Hilfe gebeten hatten. In Afghanistan wiederholte sich später die Geschichte. Und Russlands massiven militärischen Vergeltungsschlägen gegen Georgien waren ebenfalls "Hilferufe" der separatistischen Führung in Südossetien vorausgegangen.
Wieder einmal geht es Moskau darum, das Abdriften eines Landes aus dem von ihm beanspruchten Imperium zu verhindern, um so die eigene Machtbasis zu sichern. Jene, die gegen Georgiens Nato-Aufnahme Bedenken haben, wie etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, sollten daher ihre Position überdenken.

Sicher bin ich mir, dass ich keine Lust habe, (sollten Konflikt und westliche Haltung so unglücklich verlaufen wie Pessimisten meinen könnten) in ein paar Wochen oder Monaten unsere Politik und Medien mühseligst zu kritisieren, wenn ich jetzt die Chance habe, mit Übersetzungen aus den entsprechenden ausländischen Medien das Ganze zeitgleich zu begleiten.

Inhalt:

Seite 1: Meine Einleitung vom 8. August, 20 Stunden nach Kriegsbeginn
Seite 2: Ein Editorial (vier Wochen vor dem Krieg) aus Georgien: "Wie der russischen Militärfalle entkommen?" Dazu mein Kommentar.
Seite 3: Von der AFP eine Chronologie der Ereignisse 1. Juli - 7. August
Seite 4: Vom Tag nach Kriegsbeginn (8.8.) kurze Pressestimmen aus Moskau: "Die ossetische Bevölkerung ruft uns zur Hilfe gegen «die georgischen Faschisten»", die Erklärung Putins vom 9.8. und mein Kommentar zum falschen "Völkermord"zitat Putins
Seite 5: Erste und zweite internationale Pressestimmen und erste Erklärungen der deutschen politischen Parteien
Seite 6: Ein Überblick über die anderen Konfliktzonen im Kaukasus
Seite 7: Zivilbevölkerung: Bericht aus einem ossetischen Krankenhaus vom 9. August und mein Kommentar, plus Brief eines russischen Freundes mit Flüchtlingsberichten (link)

»»» aus Speichergründen sind die folgenden Seiten separat, hier klicken
Seite 8: Bilderschau der internationalen Karikaturisten und mein Kommentar
Seite 9 und 10:
Komplette Fernsehansprache Saakaschwilis (11.8.) "Georgiens Zukunft und Freiheit werden angegriffen" aus dem georgischem Web und viel mehr || Kommentar "Georgien, Ossetien und die internationale öffentliche Meinung" aus der Moskauer "Prawda" vom 11.8. und viel mehr
Seite 11: Verschiedene Abschlussbetrachtungen

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