Francais: "L'Afrique (mal) vue du Nord", 5*!!!, Cahiers africains du journalisme, CLIQUER ICI

Der (miserable) Blick des Nordens auf Afrika
von Ahmed Taka
aus: Afrikanische Journalismushefte (Cahiers africains du journalisme),
Januar 2007, »»» frz. Originaltext

Deutsche Übersetzung: Andreas Fecke

Mit (ach, so oft Stammes-) Kriegen, mit den Verwüstungen durch Aids, mit blutigen Diktatoren reduziert sich das Afrikabild in den westlichen Medien in bemerkenswerter Konstanz auf eine lange Geschichte des Horrors. Warum und wie?

Von Ahmed Taka

Er schreit nicht mehr, er blökt. Aus seinen verquollenen Augen fließen keine Tränen mehr, sondern Blut. Um ihn herum: mit Drogen vollgestopfte oder mit Alkohol durchnässte Männer. Der Mann bittet, er bettelt. Seine Schlächter ignorieren das. Sie reissen ihm ein Ohr ab, verstümmeln ihm den Penis. Der Mann verliert das Bewusstsein. Er wacht wieder auf und verspricht ihnen sein ganzes Vermögen. Das Lachen setzt wieder ein. Auch sein Betteln. Man reisst ihm das andere Ohr ab. Dann schleift man ihn nackt durch die Strassen der Stadt, unter den verängstigten Blicken einiger Passanten...

Die Szene findet in der liberianischen Hauptstadt am Sonntag, dem 9. September 1990 statt. Das Opfer Samuel Doe ist seit zehn Jahren Chef eines Staates, den sich von nun an Machtergreifung anstrebende Warlords teilen. Zehn Jahre zuvor hatte Doe selber zu den Waffen gegriffen und einen blutigen Putsch gegen das damalige Regime geführt, nebenbei den Präsidenten Tolbert hingerichtet. Er wurde der starke und gefürchtete Mann Monrovias. Am Ende von zehn Jahren zunehmend diktatorischer Machtausübung jedoch endet auch sein Weg in unbeschreiblichem Leid. Die Gelegenheit zur Flucht, wie es der Ugander Amin Dada tat, hat er nicht.

In diesem an Erschütterungen reichen Jahr steht Afrika also in den internationalen Schlagzeilen mit einem barbarischen Verbrechenstatbestand, für den die Menschen andererseits, von Vietnam über Algerien bis zum Irak, unleugbare Gewöhnungsfähigkeiten gezeigt haben: die Folter.

Unter Missachtung internationaler Regeln und Konventionen, unter Missachtung auch der Dezenz, werden die sehr ehrwürdige BBC, aber auch die meisten westlichen und einige afrikanischen Fernsehsender diese unerträglichen Szenen, die man einem der zahlreichen aus den Wäldern des Kontinents gekommenen Rebellenchefs verdankt, ausstrahlen.

So gut wie nie stellt sich die Frage des guten Grundes der Diffusion derartiger Bilder. In den Sendern des Westens ist die Zurschaustellung der afrikanischen Dramen keine Streitfrage. Die lange und grausame Hinrichtung Samuel Does ist lediglich ein Moment in einer alten Tradition der Reportagen über die Dramen Afrikas.
 Diesen Artikel auf Facebook teilen-
Partager cette note sur facebook! Share this article!

Ganz anders geht man mit den Dramen des Okzidents um, wie das einzige Bild des Todes aus den Berichten über die Attentate auf das World Trade Center vom 11.09.2001 bezeugt: das Bild eines Mannes (oder einer Frau?), der aus der Höhe eines der Wolkenkratzer springt, von dem man annimmt, dass er das nicht überlebt haben wird. Ansonsten: Zensur und Radiergummi.

Experten der Außenwelt

Montreal, Winter 2000. Mit sichtlichem Genuss hält die sehr bekannte französische Journalistin Christine Ockrent [Anm. d. Ü.: die französische Sabine Christiansen] vor einem Publikum kanadischer Geschäftsleute auf der Suche nach sachkenntlichen Investitionstipps in Afrika aus der Höhe ihres Podiums Volksreden. Ihre langjährige Laufbahn als Redaktionschefin diverser französischer Magazine, Radioeditorialistin und Essayistin hatte sie nie wirklich nach Afrika geführt.

Was soll's, auf die Frage eines anderen Teilnehmers, ob die Abdeckung der afrikanischen Aktualität seitens der westlichen Medien den Realitäten Gerechtigkeit zolle, hat Christine eine Antwort von brillanter Simplizität: "Lesen Sie diese Zeitung", sagt sie und zeigt die letzte Ausgabe von "The Economist", eine der Bibeln der Finanzmilieus.

In jener Woche - einmal ist keinmal - widmet das Londoner Wochenblatt seine Ausgabe dem afrikanischen Kontinent, mit dem Titel "Afrika, der hoffnungslose Kontinent". Das Titelseitenfoto zeigt, wohl um das richtige Maß zu setzen, einen kleinen Kindersoldaten mit bösem Gesicht und einer Kalaschnikow in der Hand, deren Munitionsgürtel stolz auf seinen Schultern und Torso prangen.

Der dem Titelfoto gewidmete lange Artikel erklärt - neben anderen Elementen der Analyse -, dass es die Schuld seiner korrumpierten und unfähigen Eliten ist, die die seit Jahrzehnten vom Westen generös erteilte Hilfe verpulvert haben, wenn es dem Kontinent so schlecht geht. Als normal und natürlich suggeriert man die Idee einer Neukolonisierung dieses erwiesenermaßen verfluchten Kontinents.

Im Saal versteht ein jeder auf religiös anmutende Weise, dass Afrika in den Augen der großen Christine Ockrent immer noch das "Herz des Dunkels" Joseph Conrads ist.

Auch wenn diese Ansicht auf einer totalen Unkenntnis eines riesigen Kontinents beruht, unterscheidet sie sich kaum von jenen der meisten westlichen Journalisten, die sich manchmal mit dem Glorienschein einer "gewissen" Kenntnis Afrikas umkränzen. Einige wenige Aufenthalte in einer Handvoll afrikanischer Schauplätze sehr komplexer Probleme verhindern ganz offensichtlich keine vorgefassten und definitiven Urteile über das Schicksal Millionen Afrikaner, ihre Geschichte, ihr tiefes Wesen und ihre zwangsläufig düstere Zukunft.

Von 1991 bis 1994 ist der Amerikaner Keith Richburg der Korrespondent der Washington Post in Nairobi, Kenia, von wo aus er den gesamten Kontinent entdeckt. Diese paar mit der Berichterstattung über eine Handvoll afrikanischer Konflikte, darunter der unerträgliche ruandische Völkermord, verbrachten Jahre scheinen ihm fundiert genug, um zu schreiben: "Diese Erde löst Schrecken in mir aus. Ich will nicht hier sein. Im tiefsten Inneren meines schwarzen Herzens freue ich mich heimlich, dass meine Vorfahren diesen Ort verlassen konnten." Ein Drama nämlich frisst diesen Kollegen auf, er ist Amerikaner und Schwarzer, also ein ferner Sohn Afrikas.

Von der Wiege an mit einem gewissen Misstrauen seiner Wurzeln gegenüber gefüttert, verdoppelt sich sein Leid über diesen Fehler durch sein Verharren bei der westlichen Blickrichtung auf Afrika. So lässt er einer Ladung freien Lauf, die vorgibt ehrlich und mutig zu sein, die aber nichts ist als der Ausdruck einer großartigen Unfähigkeit, über die Vorurteile hinauszuwachsen.

Denn alles in allem waren weder die Ermordung Samuel Does noch der ruandische Völkermord afrikanische Erfindungen in Sachen Barbarei. Die Menschheit hatte zu anderen Zeiten und an anderen Orten schon gezeigt, zu was sie auf diesem Gebiet fähig ist.

Auf dem Gebiet des journalistischen Afrikaspezialisten fand Richburg in der Person Stephen Smiths sein französisches Pendant. Der ehemalige Journalist von Liberation [Anm.: in etwa wie taz] und dann Le Monde glaubte, nach 15 Berufsjahren in einem pompösen Essay namens "Negrologie" erklären zu müssen, "warum Afrika stirbt"; in der Etymologie besagt dieser Begriff tatsächlich "Diskurs über den Schwarzen".

Von Christine Ockrent über Richburg und The Economist bis Stephen Smith und über sie hinaus gibt es in der Tat mehr als eine Veröffentlichung, mehr als ein Radio, mehr als ein TV, für die der afrikanische Kontinent sich auf einen riesigen Raum von Toten, Leiden, Unfähigkeiten und Scheitern subsummiert.

»»» Lesetipp: Der meistgelesene Einzelartikel meines Blogs "Rede an die Jugend Afrikas von Nicolas Sarkozy und die Antwort des kameruner Essayisten Achille Mbembe"
(der auch im 3. Teil meines Kongodossiers interviewt wird)

Der Horror, täglich und live

So führen einige Stunden der Ansicht des Afrikaportraits westlicher Medien auf eine ungemütliche Reise, die Sie von einer Kalamität (Aids, Hunger, Ebola....) zu einem meist (zumindest erzählt man es uns) ethnischen oder religiösen Konflikt bringt. Zwischenstation ist die Erwähnung eines x-ten Korruptionsskandals, in welcher hinterfragt werden die professionellen Kleptokraten, ersatz- oder ergänzungsweise Staatschefs oder einflussreiche Minister afrikanischer Staaten, die doch in Wahrheit, da "ethnisch nicht homogen", sagt man uns wissenden Blickes, niemals richtige Staaten sind.

Außerdem wird, in den vergangenen Monaten zunehmend, dort die Rede sein von jenen zumeist jungen in Lumpen gehüllten Afrikanern, die, so sagt man, in sukzessiven und stets bedrohlichen Wellen auf den reichen Ländereien des Westens auflaufen, über die spanischen oder italienischen Grenzen, und an Bord von Seelenverkäufern [Anm.: Marineausdruck], nach Seereisen, auf denen manche unter ihnen die Beute von Haifischen wurden oder im Ozean ertranken.

Seltener, doch gleichermassen regelmässig, wird man die von edlen Fondsherren beschlossenen Schuldenerleichterungen besprechen. Vielleicht wird auch der aktuellste Plan diskutiert, den Kontinent aus seiner Seinskrise zu holen (NEPAD, Plan Gordon Brown für Afrika, Flugticketsteuer von Jacques Chirac).
Außerhalb all dieser Formate ähnelt der westliche mediale Diskurs über Afrika einer zusammengeschrumpelten Gänsehaut.

Frappierend ist nicht nur die Konstanz dieser durch und durch negativen Behandlung zwischen Mitleid und Verachtung eines Raumes mit mehr als 50 Staaten und mehr als 800 Millionen Einwohnern, sondern auch die Abwesenheit jeglicher Tiefe und jeglichen Willens, eine sicherlich komplexere Realität als ihr Schein zu verstehen.

Überraschend ist, in so vielen Fällen, die Weigerung der Medien der reichen Welt, die Armut des Südens zu erzählen und zu erklären, ohne in schrullige Mitleidstränen zu verfallen. Oder , schlimmer noch, in eine Inszenierung zu verfallen, in der einzig die Emotion zählt, die man mobilisiert mit den Bildern eines kleines Äthiopiers mit seinem wegen Unterernährung aufgedunsenen Bauches, eines von den wiederholten Vergewaltigungen gezeichneten Gesichtes einer jungen Kongolesin, oder der schwarzen Augen eines liberianischen Kindersoldaten, der nur eine blutige Beziehung zum Leben hat, weil er keine Zeit bekam, dessen Sinn zu lernen.

Im Flüchtlingslager Opit bei Gulu im Norden Ugandas täuschten sich im September 2006 die Flüchtlinge nicht, als ein hoher UNO- Beamter auf einer der üblichen mediatisierten Reisen bei Ihnen ankam, in Begleitung der TV-Teams. Einige der Flüchtlinge drückten vor den internationalen Kameras und Mikrofonen mit einer gewissen Ironie aus, dass sie nicht hinters Licht zu führen waren: "Ja, macht nur auf unsere Kosten Euer Geld, na los, macht schon". Diese Gruppe junger Männer war davon überzeugt, dass der Medienrummel rund um ihre schwierigen Lebensbedingungen eher den hauptsächlich journalistischen Botschaftsüberbringern zugute kommen würde als den Opfern eines 20 Jahre alten Konfliktes, die lange Zeit ignoriert oder mit einem Hauch von sensationalistischer Faszination betrachtet worden waren.

Das Gesetz des Schweigens

Neben ihrer allgemeinen Bedürftigkeit ist die andere Seite der dem afrikanischen Kontinent verabreichten Behandlung von der Presse des Westens das Schweigen über sehr viele Themen. Dies führt zu dem ärgerlichen Eindruck, in Afrika passiere nichts Gutes. Es sei denn, man wird dort geboren, lebt dort und stirbt ohne den Krieg kennengelernt oder von einer dieser modernen Pestkrankheiten angesteckt worden zu sein.

Bevor die allein zu erwähnenden afrikanischen Dramen das Recht auf Berichterstattung verdient haben, müssen sie im allgemeinen die normalen Grenzen des Unerträglichen weit überschritten haben. Sicherlich gibt es als Rechtfertigung eines solchen Verhaltens die Theorie des kilometrischen Todes, nach der ein Toter in Ihrer Nachbarschaft, Ihrer Stadt oder Ihrem Land viel mehr wiegt als zehn Tote im Nachbarland oder fünfzig Tote in einem fernen Land. Was aber soll man sagen, wenn mitten während des ruandischen Völkermordes in Kanada die politische Debatte und die Medienpräsenz sich auf die Farbe der Margarine konzentrieren?

Auch etwas näher bei uns bieten die wichtigsten Kanäle kontinuierlicher Fernsehinformation Beweise einer weitestgehend ungleichen Behandlung des Leids. Während der Monate August und September 2006, als man zeitgleich in der Demokratischen Republik Kongo einhellig als entscheidend angesehene Wahlen lebt, startet Israel in Folge der Entführung zweier seiner Soldaten durch die Hisbollah im Libanon eine große Militäroperation. Die Wahlen im Kongo. die in den Wochen zuvor zahlreiche Journalisten anzogen, gerieten sofort in völlige Vergessenheit.

Insbesondere BBC und CNN, sowie ihre französischen und kanadischen Imitate LCI, Itele und RDI, Newsworld und LCN bieten um den gesamten Raum ihrer Nachrichten keine andere internationale Information als das libanesische Martyrium, von wo viele aus dem Westen stammende Bürger zu fliehen versuchen. Der Kongo und seine Wahlen: vergessen. Obwohl das Land vorher den Eignungstest für eine afrikanische Frage auf westlichen Bildschirmen bestanden hatte.
Während der fünf Konfliktjahre davor hatte man mindestens drei Millionen Tote gezählt. Die humanitäre Krise allein hatte alarmierende Ausmaße erreicht, und die Vertreibungen oder Fluchten von Bevölkerungen hatten schon biblisches Format. Ganz offensichtlich gibt es hier folgende Lektion zu lernen: die afrikanischen Dramen müssen nicht nur den Eignungstest der Westmedien bestehen, sie müssen sich auch zum günstigen Zeitpunkt zu produzieren wissen.

Geschichte eines Blickes

Fakt ist, dass Afrika in den westlichen Medien und von dort ausgehend in der westlichen öffentlichen Meinung eine außerirdische Welt ist. Afrika ist gleichzeitig Schreckgespenst, Objekt des Mitleids und Quelle verschiedenster Ängste.

Für den Soziologen Jean-Marc Ela hat diese Universum von Fantasien, in dem der Kontinent wahrgenommen wird, nichts Neues: "Der Okzident hat Afrika niemals anders als negativ gesehen", erklärt er. Wahr ist, dass seit dem deutschen Philosophen Hegel, für den "Afrika keine Geschichte hat", über den großen französischen Reporter Albert Londres bis zum britischen Poeten und Romancier Rudyard Kipling Afrika in der westlichen Vorstellungswelt eine zu domestizierende Untermenschheit geblieben ist, zusammengefasst "die schwere Last des weissen Mannes". Es gibt also ein über die Arbeit einiger Journalisten hinausgehendes allgemeineres Problem bei dem Blick des Okzidents auf Afrika.

Wie sonst sollte man verstehen, dass in diesen Medien manche Fragen, manche Komplizitäten, manche Interessen und manche schuldigen Verwicklungen überhaupt nicht auftauchen?

Die nicht abstreitbare Wahrheit ist jedoch, dass Afrika komplex, vielfältig und divers ist, vor allem nicht nur verzweifelt oder zur Verzweiflung treibend. Die dortigen Demokratisierungsprozesse sind unterschiedlich glücklich, von der Rückkehr zu Formen des Autoritarismus bis zu bemerkenswerten Schritten nach vorne, die oft über beunruhigende Situationen führen. Wie überall sonst haben die Konflikte wirtschaftliche, politische und territoriale Logiken, manchmal spielen Identitätsfragen mit hinein. Die Wirtschaften liegen manchmal darnieder, manchmal sind sie regressiv, manchmal im Wachstum. Der kulturelle Ausdruck in Afrika ist oft sehr lebendig, öfter von den Staaten fallengelassen, manchmal aber auch eine Renaissance. Kurz gesagt, nimmt das Leben auch auf diesem Kontinent seinen Lauf, auf seine Weise, gleichzeitig dramatisch und glücklich. Die westliche Presse reflektiert dies fast nicht.

Sicherlich gibt es einige im allgemeinen tollpatschige, weil von einem Schuldgefühl genährte Versuche, dem Kontinent ein weniger katastrophales Bild zu geben. Beispielsweise erschienen bei CNN Sendungen über ein "Postives Afrika", etwas allgemeiner beim französischen Canal Plus. Jedoch ähneln diese Versuche einer versuchten Wiedergutmachung, die leider genau so inkonsequent ist wie die apokalyptischen Reportagen, an die wir gewöhnt sind.

Denn wesentliche Grundlage des Problems ist eher die intellektuelle Haltung, die Ausrichtung des Blicks, als die berichtete Realität. Der Mangel ist die schlichte Anwendung der Grundregeln des Journalismus, verbunden mit einem Minimum des dem anderen Menschen geschuldeten Respekts. Solches würde den Journalisten verpflichten, die fremden Logiken zu verstehen zu versuchen, und in seinen Gegenüber vernunftbegabte Wesen zu sehen, die zweifellos manchmal grausam sind, immer aber auf tiefe und tragische Weise human.

Schließlich sind die Konflikte, mir denen Afrika wenig zu geizen scheint, eine Konstante der Geschichte. Ihr Horror, seit dem alten Ägypten und dem antiken Rom, kann nicht verleugnet werden. Afrika hat weder Völkermorde noch Massaker noch Vergewaltigungen erfunden. Was keinesfalls gestattet, die Afrikaner als die weniger Schuldigen oder als die Imitatoren ihnen vorangegangener böser Engel hinzustellen. Aber sie sind, wie alle anderen, glücklicherweise oder unglücklicherweise, menschlich, sie sind Menschen an sich. Befremdlich ist, diese Tatsache in einem Jahrhundert, in dem man alle Arten technologischen Fortschritts feiert, in Erinnerung rufen zu müssen.

Ich nun schulde der Wahrheit, zu erwähnen, dass zahlreiche Journalisten des Westens in den vergangenen Jahren auch den Weg einer weniger schrecklichen Afrikaberichterstattung aufzeigen. Die großartige belgische Reporterin der Brüsseler Tageszeitung Le Soir Colette Braeckmann [Hinweis: einer ihrer Artikel wird Bestandteil von Kongo III], oder der irländische BBC- Journalist Fergal Keane, um nur die beiden zu nennen, und um nur Keane hier zu zitieren: "Viel zu viele der Afrika gewidmeten Reportagen entstammen einer Vision des Kontinents, in der seine Einwohner erbärmliche schwarze Flecken sind, die sich über die Jahrzehnte vom Kongo der 1960er Jahre bis zum Ruanda der 1990er ausdehnen." Dieses Bild und andere von der Sorte muss man auslöschen, bevor man seinen Blick auf Afrika richtet.

Ende.
 Diesen Artikel auf Facebook teilen-
Partager cette note sur facebook! Share this article!

Mein Kurzkommentar: Große Klasse, und er hat recht. In Blogsache Afrika: Ich blicke hier im Blog jetzt auf etwa 50 nicht kurze Beiträge über Afrika zurück; in mehreren davon monierte ich selber dieses beschämende Afrikabild (daher meine Motivation), und manche meiner Artikel berichten über Schönes und kleine oder große Fortschritte. Manche demonstrieren - wie dieser hier - eindrucksvoll die Qualität afrikanischer Intelligentsia. Zu wenige, Ahmed Taka hat mir überzeugend in die Seele geredet. Ich werde von nun an nur noch mindestens abwechselnd positive wie negative Ereignisse thematisieren. Daher kommt mein Material zum im Anschluss an den Kongo geplanten Thema Simbabwe, was mich aufgrund der Herkunft vom Diktator und seiner Landreform aus der marxistischen Denkrichtung besonders interessiert, bis 2009 wider in die Schublade. Mein "Positives Afrika" werde ich wohl auch gesondert kategorisieren, und es wird schon aufgrund seiner afrikanischen Quellen nicht inkonsequent sein.