=> Aktuelle Reportagen Oktober 2010: ELFENBEINKÜSTE vor WAHLEN (IV)u.a.

Vorwort: Afrika mit seiner knappen Milliarde Einwohner und doppelt so vielen Staaten wie die EU, von denen die meisten nun mehr oder weniger demokratisch sind, ist ein Kontinent, auf dem also praktisch immer irgendwo Wahlen stattfinden.
tri LIRE DANS MON BLOG FRANCAIS »»» ICI L'APPELL D'UN JEUNE IVOIRIEN A LA JEUNESSE AFRICAINE DE FAIRE PREUVE DE DIGNITE ET DE LUCIDITE PENDANT LES ELECTIONS.Teils laufen diese ruhig ab, teils nicht, und über Letztere hören auch wir dann manchmal etwas in unseren Medien - herausragendes jüngeres Beispiel war Kenia 2008, über deren Hintergründe ich »»» hier umfassend berichtet hatte.
Wenn Gewalt Einzug hält in die Vorwahl-, die Wahl- oder die Nachwahlphase, so hängt das unabhängig von den einzelnen konkreten (meist demokratisch unsauberen) politischen Situationen oft damit zusammen, dass der in dieser oder jener Partei politisch engagierte Teil der afrikanischen Jugend eine Grenze zwischen Engagement und Fanatismus nicht kennengelernt hatte und solchermaßen von "Chefs" (oft nur der mittleren Ebene) leicht aufgeheizt und in die Schlacht geschickt werden kann.
enfants soldatsI
m April hatte ich in meinem französischen Nebenblog einen Artikel über die Wiedereingliederung von Kindersoldaten - (im Rahmen der UNO-Operation "1000 Mikroprojekte", »»» Kurzinfo, engl.) - in der Elfenbeinküste geschrieben. Weitere Informationen dazu sind in »»» meinem Artikel verlinkt, aber auch nicht auf deutsch. Dort finden Sie auch das französische Original des Kommentars, den ich mit diesem Beitrag auf Deutsch publik machen möchte.

Jetzt hat sich ein junger Bürger der Elfenbeinküste namens Jean Noël Kouamé dort mit einem Kommentar zu Wort gemeldet, allerdings nicht zum Thema der Resozialisierung von Kindersoldaten, sondern zu den im kommenden November stattfindenden Präsidentenwahlen in seinem Land. Über Leserbriefe dieser Art von Afrikanern werden wir in der westlichen Afrikaberichterstattung sicherlich nichts finden, und so bleibt mir die Ehre, einen wahrhaften Appell eines jungen Afrikaners an die Jugend des Kontinents, während der Wahlsituationen Klarsichtigkeit und Würde zu zeigen, ins deutsche Internet zu tragen.
Als weißer Deutscher kann ich seinen Aufruf natürlich nicht im Detail beurteilen, ich finde ihn aber unglaublich demokratisch, pazifistisch und so nüchtern wie heißblütig, und ordne ihn gerne ein in meine Rubrik "Afrika positiv"!

Wahlen Elfenbeinküste: Bleiben wir gelassen!!
CONTRIBUTION JEAN NOEL KOUAME

Jugend der Elfenbeinküste und Afrika's, nimm Dich in Acht vor Personenkult, Radikalismus und der Politiker-Politik. Das Verwalten, Führen und Regieren der Elfenbeinküste und der anderen afrikanischen Länder kann nicht auf Individuen reduziert werden, auch wenn sie eminente Ökonomen, große Historiker oder Politologen von internationalem Ruf sind. Ein Politiker ist und bleibt ein Politiker - gleicher welcher Partei er angehört, gleich was seine Ambitionen oder seine Träume für jeden von uns sind.

Machtkampf in Madagaskar, von: GlezBei den kommenden Wahlen in der Elfenbeinküste, junge Menschen, hören wir auf damit! Hören wir auf, die Politiker zu jubilieren, hören wir auf, unsere Zukunft über Individuen zu denken. Hören wir auf, das Stimmvieh politischer Parteien zu sein. Lasst uns unsere Zukunft in klaren, präzisen und realisierbaren programmatischen Begriffen denken; bitte lasst uns die Kulte von "Gbagbo oder nichts", "Bédié oder nichts" oder "Alassane oder nichts" vermeiden! Hören wir auf damit.

Wahllokale in Simbabwe 2008, Klick vergrössert
Wahlen Zimbabwe März 08Wahlen Zimbabwe 2 März 08

Nach ihnen wird es die Elfenbeinküste immer noch geben. Ihr, wir, Du und ich haben unsere Zukunft noch vor uns - sie, sie haben schon alles. Sie sind nicht GOTT, hören wir auf so zu tun, als ob sie am Tag nach ihrer Wahl gleichzeitig die Elfenbeinküste und Afrika und dann die ganze Welt verändern werden. Hören wir auf, uns in den Wahlversammlungen zu messen, zu verurteilen, den Affront zu suchen und unsere Waffen zu schärfen. Lasst uns ehrlich unsere Zukunft suchen.

Jedenfalls kennen wir die Wahrheiten über die Irrtümer, die Erfolge und die Misserfolge jedes einzelnen Kandidaten doch schon. Alle haben sie einen Wert, Kräfte und Grenzen. Jeder von ihnen hat sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte unseres Landes bewiesen. Alle dürsten immer noch nach der Macht und keiner von ihnen ist bereit, die Wahlen zu verlieren, obwohl es in der Natur der Dinge liegt, dass es einen Sieger geben wird und die anderen scheitern.
Aber Du und ich, wir kämpfen für sie, und dann haben wir was davon? Wahlkampfgeld, Palaver, Verletzungen, Tote, Krieg und was sonst noch? Alles wegen den ADO, N'ZUEBA, WOODY und wen sonst noch? Und danach?

Mechete Guy, Kenia Jan08Liebe Freunde, Jugend der Elfenbeinküste und Afrikas! Mehr als 51% Analphabeten, AIDS/HIV wüten,
eine einfache Malaria tötet uns im Krankenhaus, wir gehen zur Schule und haben danach aber keine Arbeit, tagtäglich hetzen wir uns ab, um 200 FCFA für ein bisschen Essen zu kriegen, ein bisschen; die Leute haben uns in den Krieg geschickt, obwohl hier bei uns überhaupt keine Gewehre kultiviert werden und auch keine Macheten, man weiss hier nicht mal, wie ein Messer hergestellt wird. Und dann interessiert uns ausgerechnet die Wahl von Gbagbo, Alassane oder Bédié, zu einem Zeitpunkt, wo kleine Chinesen, Amerikaner, Japaner, Franzosen und Inder um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen. Wenn unsere Jungs, seit Houphouët bis heute, so bärenstark sind, warum gibt es denn keine Lösungen; und dann leiden wir, wir sind sogar bereit, für sie zu sterben, und andere denken sogar, das ist eine Sache von Mohammed oder Jesus, von Kirche oder Moschee. Oh Gott!! Lasst uns beten! Seien wir doch ernsthaftig und uns unserer eigenen Zukunft bewusst. Arbeiten und kämpfen wir zunächst für uns selber. Die sind alt, wir, wir sind noch jung.

ANTANANARIVO-Madagaskar (AFP) - 07-02-2009Hören wir auf damit, die Massen für sie zu mobilisieren, ohne dass wir den Leuten überhaupt erklären könnten, was jeder Kandidat der Jugend verspricht und wie er das machen will. Jeder von ihnen meint, das Geld finden zu können, um die Probleme des Landes regeln zu können, mehr sogar noch die Probleme des Dorfes oder der Städte. Lasst uns verbale Gewalt vermeiden und den Personenkult; nach dem Tamtam der Wahlen wird der Sieger nicht einmal in zehn Jahren die Probleme des Landes regeln können. Seien wir realistisch - es ist keine Frage weder der Ethnien, noch der Religionen und schon gar nicht der Kandidatenpersonen. In anderen Ländern setzen die politischen Gehirne sich zusammen, um ihre Länder aus den Krisen zu führen und zu verwalten. Und, abseits der Politik, machen andere große Investitionen, um die Jugend arbeiten zu lassen. Bei uns hier ist, solange man nicht Präsident ist, alles schlecht was der Andere macht. Ich muss Präsident werden oder gar nichts. Bin ich Präsident, dann muss ich alles tun, so lange wie irgend möglich an der Macht zu bleiben. Wenn das Volk und die Jugend es akzeptieren, dann können sie gerne an Hunger sterben. Ich muss mit allen Mitteln Präsident sein.

Junge Leute der Elfenbeinküste und aus Afrika, bleiben wir positiv! Kämpfen wir zuerst für unser eigenes Überleben, wir haben ja nicht einmal eine Alternative. Du, der Du für ADO, GBAGBO oder BEDIE kämpfst: an dem Tag, wo sie verschwinden werden, verschwindest auch Du. Wenn Du für Dich kämpfst, dann wirst Du von Deiner eigenen Arbeit auch noch etwas haben, wenn sie verschwunden sind. Wenn Du nichts aufgebaut hast, dann hast Du nichts; sie werden nicht zu Dir nach Hause kommen und Deinen Strom bezahlen, deine Wasserrechnung, Deine Rezepte, Deine Nahrungsmittel und die Schule Deiner Kinder. Die werden es nicht sein, die Dir alles geben.
Soweto (Afrique du Sud) - Football de rue (Radu Sigheti, Reuters)Sei Dir dessen bewusst, verbreite diese Botschaft, vermeide Gewalt während der Wahlen, gehe ruhig zur Wahl und wähle ein Regierungsprogramm, das jedem Bürger der Elfenbeinküste und der Gesamtheit der in unserem Land lebenden Bevölkerungen helfen kann. Denke an Dich zunächst, und an die Vereinigung und die Verbindung mit den anderen.
Mein Bruder, Wahlen sind kein Blabla; nach den Wahlen bleibt Dein Leben und GOTT schaut auf all Dein Tun. Eines Tages bekommst Du eine Belohnung, je nachdem was Du für Dein Land, Deinen Kontinent und Deine eigene Zukunft getan hast.
FRÜHER ODER SPÄTER ERNTET JEDER, WAS ER GESÄT HAT.
Jean Noël Kouamé

Kurzlink von diesem Artikel:
http://tinyurl.com/JEAN-NOEL-KOUAME-DE

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Liebe Leserinnen und Leser. Mit etwa 50 Artikelprojekten zu vielen Themen, Übersetzungen wie diese, habe ich mittlerweile bis zu 18 Monate Verspätung. Ich muss daher dauernd auswählen und verschieben; über die Elfenbeinküste werde ich höchstwahrscheinlich hier nichts mehr schreiben. Sollten Sie interessante deutschsprachige Artikel dazu zu verlinken haben, tun Sie das bitte mit einem Dreizeiler vorneweg unten in einem Kommentar. Danke.

ZWEI EMPFEHLUNGEN HIER IM BLOG, BEIDES ÜBERSETZUNGEN:
»»» Das Afrikabild in westlicher Presse und Fernsehen, von Ahmed Taka
DIE RASSISMUSLEKTION:
»»» Rede "an die Jugend Afrikas" von Sarkozy -- Antwort von A. Mbembe, Autor, Kamerun --

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