Entwarnung, liebe Leute, Entwarnung! Die etwa 160.000 Flüchtlinge aus Burundi werden keine Europäer oder Amerikaner, sie sind jetzt Tansanier. Tansania ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat etwa 40 Millionen Einwohner und zählt zu den ärmsten Ländern der Welt: mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner von 450 Dollar (Deutschland: 44.000 Dollar) liegt es an 160. Stelle von etwa 180 Ländern auf der Welt.
Nicht in punkto Gastfreundschaft: Das vor 60 Jahren unabhängig gewordene Tansania hat über Jahrzehnte auch für afrikanische Verhältnisse sehr große Kontingente von Binnenvertriebenen, von Flüchtlingen aus anderen afrikanischen Ländern aufgenommen, darunter insgesamt über 700.000 aus dem benachbarten Burundi. Von den ersten aus 1972 und ihren Kindern und Enkeln wurde jetzt eine Riesengruppe eingebürgert, natürlich nicht ohne Hilfe des UN-Flüchtlingskommissariats.

Foto (c) AFP: Burundische Flüchtlinge in einem Lager im Westen Tansanias, 2006
Des refugiés burundais dans un camp de l'ouest de la Tanzanie, le 15 juin 2006
Dennoch ist es eine beispielhafte Geste - für wen sie beschämend sein sollte, soll hier nicht erörtert werden -, beispielhaft auch für eine neue Tendenz auf dem schwarzen Kontinent. Es gibt zwar gleichzeitig unvermindert die alte Tendenz vieler afrikanischer Potentaten, soziale Probleme liegen zu lassen, weil man auf internationale Gelder baut, deren Kreditbedingungen in Form liberaler Wirtschaftsreformen dann manchmal rigoros umgesetzt werden, aber: seit einiger Zeit, insbesondere seit der völligen Ignoranz des ganzen afrikanischen Kontinents bei den Kopenhagener Klimaverhandlungen, beobachtet man dort die Erkenntnis des Alleinseins sowie Bemühungen in afrikanischen Zivilgesellschaften und auch manchen Regierungen, dann doch eigene Wege zu gehen, zusammenzustehen und neue Dinge zu wagen. Bravo.
Links der aktuelle Artikel, rechts die Vorgeschichte vom UNHCR:
35 Jahre nach der Flucht: Lösungen für burundische Flüchtlinge in Sicht
21.02.2008 -Genf (UNHCR) - Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) benötigt 34 Millionen US-Dollar, um Hilfsmaßnahmen für rund 218.000 burundische Flüchtlinge zu finanzieren, die 1972 nach Tansania geflohen sind. Das für zwei Jahre geplante Programm soll dazu beitragen, eine der langwierigsten Flüchtlingssituationen weltweit zu beenden.Nach mehr als 35 Jahren kam es letztes Jahr zum Durchbruch, als die tansanische Regierung die Absicht äußerte, die so genannten "Alten Siedlungen" zu schließen. Die Regierungen Tansanias und Burundis formulierten den Wunsch, eine langfristige Lösung für die Flüchtlinge zu finden. Die beiden Regierungen haben zusammen mit UNHCR eine Arbeitsgruppe gebildet, um eine gemeinsame Strategie zur Lösung der Flüchtlingssituation einzuschlagen.
"Für uns ist diese Aufgabe eine der wichtigsten auf dem afrikanischen Kontinent. Wer den Wunsch geäußert hat, freiwllig nach Hause zurückzukehren, wird von UNHCR unterstützt, auch bei der Reintegration", so Marion Kamara, Direktorin des UNHCR-Büros in Afrika.
"Die Integration in Tansania ist für die, die bleiben wollen und die tansanische Staasbürgerschaft beantragen, eine zeitgebundene Möglichkeit. Um einen raschen Erfolg zu erzielen, ist es von zentraler Bedeutung, rasch handeln zu können", so Kamara weiter.
Im Jahre 1972 waren in Burundi bürgerkriegsartige Auseinandersetzungen ausgebrochen. Die meisten Flüchtlinge fanden Schutz in Tansania. Bis heute leben sie in drei Siedlungen, zugewiesen von den tansanischen Behörden: Ulvankulu in der Region Tabora, Katumba und Mishamo in der Region Rukwa.
Kurz nach ihrer Ankunft erhielt jede Flüchtlingsfamilie ein Stück Land zugesprochen. Daher sind diese Siedlungen seit 1979 wirtschaftlich unabhängig, und die internationale Unterstützung wurde 1985 gänzlich eingestellt.
Diese Flüchtlinge unterscheiden sich klar von anderen Burundern, die erst in den 1990er Jahren in das Land strömten und in drei Camps im Nordwesten Tansanias unterkamen.
Der zusätzliche UNHCR-Spendenaufruf für die "Burunder von 1972" basiert auf einer Volkszählung, einer umfassenden individuellen Registrierung und einer sozio-ökonomischen Studie der alten Siedlungen, die in der zweiten Jahreshälfte 2007 durchgeführt wurde.
Drei wesentliche Ziele sollen durch die Hilfsprogramme errreicht werden: erstens die freiwillige Rückkehr und die Reintegration von rund 46.000 Flüchtlingen, die nach Burundi zurückkehren möchten, zweitens die Integration von rund 172.000 Burundern im Rahmen des tansanischen Staatsangehörigkeitsgesetzes und drittens die direkte Unterstützung jener Distrikte und Dörfer, in die sich die Flüchtlinge letztlich integrieren lassen sollen.....
Tansanische Nationalität für burundische Flüchtlinge - Burundi "applaudiert"
Nationalité tanzanienne pour des réfugiés burundais: Bujumbura "applaudit"
BUJUMBURA (AFP) - 19.04.2010 11:47
Deutsche Übersetzung vom Blogautoren Andreas Fecke
Am Montag zollte die burundische Regierung Beifall für die "historische und wunderbare" Geste Tansanias, welches 162.000 großteils seit fast 40 Jahren dort lebenden Flüchtlingen aus Burundi eingebürgert hat. "Das ist wirklich historisch, denn es ist das erste Mal, dass ein Land 162.000 Flüchtlingen auf einmal seine Nationalität gibt. Es ist etwas so sehr Befriedigendes, da müssen wir applaudieren", sagte gegenüber AFP die burundische Ministerin Immaculée Nahayo, die mit dem Problem der Rückführung der Flüchtlinge befasst ist.
Le gouvernement burundais a "applaudi" lundi le geste "historique et formidable" de la Tanzanie qui a accordé la semaine passée la nationalité à 162.000 Burundais réfugiés dans ce pays depuis près de quarante ans.
"C'est vraiment historique, car c'est pour la première fois au monde qu'un pays accorde la nationalité à 162.000 réfugiés d'un coup, c'est quelque chose de très satisfaisant que nous devons applaudir", a déclaré à l'AFP la ministre burundaise en charge du rapatriement des réfugiés, Immaculée Nahayo.
Tansania hat "seit den 1960er Jahren bis jüngst Hunderttausende von burndischen Flüchtlingen aufgenommen. Nun konnte dieses Land dem Wunsch der Flüchtlinge, die die tansanische Kultur und Mentalität angenommen haben, nachkommen. (...) Das ist eine hervorragende Geste und Entscheidung, der man Beifall zollen muss", darauf besteht Frau Nahayo. Am Freitag hatte das UN_Flüchtlingskommissariat UNHCR die "generöse" Geste begrüßt und bekanntgegeben, dass 162.000 Burunder und ihre Nachfahren, welche seit 1972 in Tansania leben, eingebürgert wurden.
La Tanzanie "a accueilli des centaines de milliers de réfugiés Burundais depuis les années 1960 à nos jours et, en même temps, ce pays a pu satisfaire le souhait de ces réfugiés qui ont acquis la culture et la mentalité tanzanienne, (...) c'est un geste et une décision formidable qu'il faut applaudir", a insisté Mme Nahayo.
Vendredi, le Haut commissariat des Nations Unies (HCR) a annoncé que la Tanzanie avait naturalisé 162.000 Burundais et leurs descendants qui s'étaient réfugiés dans ce pays depuis 1972, saluant un geste "généreux".
Tansania hat eine der zahlreichsten Flüchtlingsgemeinschaften Afrikas aufgenommen. Darunter waren anfangs 2000 mehr als 700.000 Burunder, die vor den schon vierzig Jahren währenden interethnischen Konflikten im Land geflohen waren. 2008 schlug die tansanische Regierung den 1972 angekommenen Flüchtlingen die Wahl zwischen Rüchführung und Einbürgerung vor. Etwa 54.000 von ihnen wählten die Heimkehr.
La Tanzanie a accueilli l'une des communautés de réfugiés les plus nombreuses d'Afrique dont plus de 700.000 réfugiés Burundais au début des années 2000 qui fuyaient les différents conflits interethniques qui ont émaillé les 40 dernières années du Burundi.
En 2008, le gouvernement tanzanien avait proposé aux Burundais arrivés en 1972 de choisir entre un rapatriement ou une naturalisation. Quelque 54.000 d'entre eux ont alors opté pour un retour dans leur pays d'origine.
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L'Union africaine adopte la première convention sur les réfugiés et déplacés
"Seit 2002 hat Burundi etwa 500.000 seiner Flüchtlinge wieder aufgenommen, die in Tansania Zuflucht gesucht hatten(...), erklärt Frau Nahayo. 35.000 der 1993 Geflohenen verweigerten allerdings die Rückführung, da "sie einer falschen Hoffnung anhängen, in den USA; Kanada oder Europa aufgenommen zu werden", bestätigt sie.
"Depuis 2002, le Burundi a accueilli près de 500.000 Burundais qui s'étaient réfugiés en Tanzanie (...)", a expliqué Mme Nahayo.
35.000 réfugiés ayant fui en 1993 ont cependant refusé jusqu'ici d'être rapatriés au Burundi car "ils nourrissent le faux espoir d'être réinstallés aux USA, au Canada ou en Europe", a-t-elle confirmé.
Die Entscheidung Tansanias ist "eine Geste, die es Burundi etwas leichter macht. Denn trotz der Anstrengungen der Regierung gibt es viele Grundstückskonflikte und Konflikte bezüglich der von den Flüchtlingen zurückgelassenen Besitztümer", fügt sie hinzu.
Burundi löst sich aus 13 Jahren Bürgerkrieg, die seine Wirtschaft ruiniert haben.
La décision de la Tanzanie est "un geste qui va soulager le Burundi car (...) malgré les efforts du gouvernement, il y a beaucoup de conflits fonciers, des conflits relatifs aux biens laissés par ces rapatriés", a-t-elle ajouté.
Le Burundi sort de 13 ans de guerre civile qui ont ruiné son économie.
© 2010 AFP

































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