Die Wahlen im Kongo hat nun der Amtsinhaber Kabila mit klaren 60% für sich entschieden und neben einem Wahlwiderspruch des unterlegenen Lagers gab es auch schon eine gewalttätige Demonstration von 200 Gegnern inklusive gewaltsamer Auflösung derselben und Gegenangriff der Präsidentengarde und einer Intervention der internationalen Truppen. Heute sind sowohl Präsidentenpalast als auch der Vizepräsidentenpalast des Wahlverlierers Bemba von jeweils eigenen Truppen militärisch abgeriegelt und die Ansicht, "die Afrikaner" seien eben so wie sie sind, wie sie auch in Kommentaren zu meinen Kongo-Artikeln zum Ausdruck kam, kann wieder argumentativ unterfüttert werden.
Ausser Kraft setzen kann ich die unglückseligen afrikanischen Zustände natürlich nicht und will daher auch gar nicht in Bausch und Bogen gegen solche defaitistischen Meinungen antreten. Nur sind solche Ansichten auch das Letzte, was weiterhilft, und so will ich dann und wann den Blick auch auf positive Entwicklungen auf dem Kontinent richten, die in der Darstellung der gängigen deutschen Afrikaberichterstattung gar nicht auftauchen.
So war beispielsweise gestern zu lesen (AFP), dass ausgerechnet in Zentralafrika die meisten Fortschritte (im Vergleich zu Asien und Lateinamerika) in punkto nachhaltiger Forstwirtschaft zu verzeichnen sind.
Eine Woche zuvor kam folgende Überraschung:
"Südafrika legalisiert die Homosexuellen-Ehe
(Quelle:tv5.org)
KAPSTADT (AFP) 14/11/2006 - Das südafrikanische Parlament hat am Dienstag ein Gesetz verabschiedet, welches die Homosexuellen-Ehe einführt, und wurde so das erste Land auf dem Kontinent, das die Verbindung zwischen Menschen gleichen Geschlechtes legalisiert.
Insgesamt 230 Abgeordnete des Parlamentes in Kapstadt stimmten nach einer lebhaften Debatte dafür, 41 dagegen, 3 enthielten sich der Stimme.
Das Gesetz erlaubt sowohl Ehe als auch Zivilpartnerschaft zwischen Menschen gleichen Geschlechts. Es wurde zuvor von religiösen Organisationen und zahlreichen Oppositionsparteien heftig kritisiert. Die Regierung ihrerseits erklärte, die neue Gesetzgebung sei Bestandteil ihres Kampfes gegen jede Form von Diskriminierung.
"Im Rahmen unseres Bruches mit unserer Vergangenheit (...) müssen wir alle Formen von Diskriminierung und Vorurteilen bekämpfen und ihnen widerstehen, inklusive der Homophobie", erklärte der Innenminister Nosiviwe Mapisa-Nqakula während der Parlamentsdebatte. Homosexuellenorganisationen wie die Joint Working Group, eine nationale Koalition aus 17 Schwulen-, Lesben-,Bisexuellen- und Transsexuellenverbänden, werteten den Text als einen historischen Schritt. Deren Sprecher Kikile Vilakazi in einem Pressekommunique: "Das Gesetz symbolisiert die Rückweisung der vormaligen Versuche, Lesben und Schwule als Bürger zweiter Klasse einzuordnen. Es ist eine kraftvolle Demonstration des Engagements unserer Parlamentarier, allen Menschen Würde zu garantieren."

von: Zapiro, 22.11.06
"Es ist falsch", sagte der Schürzenjäger zu seiner Mätresse
"Es ist abscheulich", sagte der Frauenschläger
"Es ist nicht normal", sagten die Männer in gestickten Roben
"Es ist im Einklang mit der Verfassung", sagte schliesslich das Parlament
Die zwei Jahre nach den ersten gemischtrassigen Wahlen 1994 angenommene südafrikanische Verfassung verbietet ausdrücklich jedwede Diskrimination aufgrund sexueller Orientierung. Im Dezember 2005 gab das Verfassungsgericht dem Parlament ein Jahr, um den damaligen Text zu ändern, der die Ehe definierte als "eine staatlich anerkannte Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau unter Ausschluss jeder anderen Verbindung."
Die Opposition lehnt das Gesetz heftig ab: "Es ist der traurigste Tag in den zwölf Jahren Existenz unseres demokratischen Parlamentes", so der christdemokratische Führer (ACDP) Kenneth Mesroe. "Es ist wirklich traurig, dass der ANC (Afrikanische Nationalkongress, Partei an der Macht) dieses Gesetz trotz der erkrasanten Einwände unterstützt." Die ACDP und andere Parteien hatten argumentiert, die Ehe sei eine heilige Institution und somit nur zwischen Mann und Frau gültig.
"Wenn das Parlament das Volk dieses Landes achten würde, so hätte dieses Gesetzt eine Volksabstimmung verdient", so der Führer des Panafrikanistischen Kongresses Motsoko Pheko.
Nun muss das Gestz vom Nationalen Rat der Provinzen (beratende Kammer) geprüft werden, bevor der Präsident Thabo Mbeki es unterzeichnet.
Schwule und Lesben sind in Afrika oft Diskriminationsopfer und in vielen Ländern ist Homosexualität immer noch verboten. So löste der Präsident Zimbabwes Robert Mugabe vor einigen Jahren einen Aufschrei aller homosexuellen Bürgerrechtsorganisationen aus, als er sie "schlimmer als Schweine und Hunde" nannte.
Democracy is possible, auch in Afrika. Zivilisatorische Fortschritte, die sich nicht darauf beschränken, die Menschen mit einem Stiefel im Nacken unten im Staub zu halten, auch. Mich freut, dass dort nun ein grosser Schritt getan wurde, solche Fragen der Menschenwürde von Minderheiten anzupacken, noch bevor die materiellen Lebensgrundlagen der Menschen deutlich angehoben waren, wie es bei uns im Westen ja der Fall war.
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