Beiträge zur Faschismusdefinition und zu den unsäglichen, unhistorischen, unwissenden, unwissenschaftlichen, die Faschismusopfer verhöhnenden, polemischen, den Begriff entleerenden, pervertierenden und instrumentalisierenden, den deshalb nichtssagenden Faschismusvorwürfen gegen Staaten oder Organisationen, die nicht faschistisch oder faschistoid sind.
Inhalt:
Diese Seite: Meine aktuellen Gedanken dazu
Seite 2: Aktuell: 14 Merkmale des Faschismus, aus: "Fascism Anyone?", von Dr. Lawrence Britt, Free Inquiry (humanistische Zeitschrift), 2003
Soziologische Definition von nachbarschaftlichen Begriffen (auf englisch)
Seite 3: Historisch: Umberto Eco's 14 Wesenszüge des Urfaschismus, und
George Orwell "Was ist Faschismus?" (auf englisch)
Witzigerweise oder unwitziger- oder bezeichnenderweise bin ich bei meinen Hintergrundrecherchen zu den jüdischen und palästinensischen Autoren, deren Texte ich für mein Gazadossier übersetze, auf Schriften von George Orwell und Umberto Eco zu der Thematik der Klärung des Faschismusbegriffes gestoßen, auf die ich aufmerksam machen möchte, und zwar auch aus Gründen der Sauberkeit in den politischen Debatten:
Wie das Bild hier rechts von einer Pariser "Friedensdemonstration" mit dem Hakenkreuzemblem auf der israelischen Flagge beispielsweise, aber auch stellvertretend für manche Beiträge in politischen Blogs, was alles faschistisch sei, zeigt, wird der Begriff "Faschismus" immer inflationärer, nur noch symbolischer, ungenauer, polemischer und damit nichtssagender verwendet.
Damit passiert dreierlei:
Den Abermillionen von Folter- und Todesopfern und den Aberzigmillionen Menschen, die Opfer des unterdrückerischen, angstmachenden Alltags waren der wirklichen faschistischen oder faschistoiden Gesellschaften des vergangenen, meinetwegen auch des jetzigen Jahrhunderts, wird im Nachhinein noch einmal ignorant ins Gesicht getreten. Wenn zum Beispiel die Bundesrepublik bei aller richtigen Kritik unter anderem der zunehmend verschärften Bürgerüberwachung, die ich als überzeugter Demokrat, Pluralist, Menschenrechtler und Grüner vehement aktiv teile, als faschistisch oder so gut wie faschistisch bezeichnet wird, dann sollte man mal an diese Opfer denken. Und daran, wie gerne alle von ihnen wohl in einem "faschistischen Staat" a la Deutschland heute gelebt hätten, anstatt in faschistischen Staaten.
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Sieht man so eine Hamas-made jüdische Hakenkreuzflagge wie im obigen Bild, dann kann man sich auch mal überlegen, wieviel lieber die nichtjüdischen Konzentrationslagerinsassen, die politischen Gefangenen oder die Homosexuellen in einem "faschistischen" Israel gelebt hätten als in Nazideutschland, weil Israel eben zwar militaristisch dirigiert, keinesfalls aber faschistisch ist, denn dort wären sie mit vielen Juden und palästinensischen Israelis zusammen in einer politischen Opposition, die ihren Meinungskampf frei führen kann. Das Bild links zeigt eine Antikriegsdemonstration am 29. Dezember 2008 von jüdischen und palästinensischen Studenten in Jerusalem und ist aus der Jerusalem Post. Faschismus? Irgendwie besser übrigens, wenn bei Solidaritätsdemonstrationen keine Freunde der Hamas und Antisemiten mitmarschieren, und ausgerechnet auch noch mit Faschismusvorwürfen.
Zweitens wird der Begriff völlig verwässert, seiner Aussage entleert und Schlimmeres. Wenn jedem politischen oder militärischem Gegner das Hakenkreuz an die Brust geheftet wird, dann gibt es endlos viele Faschisten auf vielen Plätzen des politischen Spektrums und der Weltbühne ("Irgendein jeder ein Faschist?" titelt Dr. Britt auf Seite 2), und damit wird es gar keiner mehr sein, auch nicht die wirklichen Faschisten, denn mit ihrer Bedeutung beraubten Worthülsen kann nichts mehr bezeichnet, gekennzeichnet, definiert, eingeordnet, erklärt und begriffen werden. Das Wort "Begriff" kommt ja daher, dass er helfen soll, etwas zu begreifen, zu verstehen, etwas von etwas anderem zu unterscheiden. So ist auch der maßlose aktuelle blutige Gegenschlag Israels wohl mit Massakern durchzogen, aber noch lange kein "Völkermord", denn das ist etwas anderes, wie man zum Beispiel im Kongo nachschauen kann. Schaut man sich alles Gesagte an und akzeptiert es, dann wären heute sowohl Israel als auch die Hamas faschistisch, der Vorwurf wird ja aus verschiedenen Richtungen beiden gemacht. Was außer der Verhöhnung der Millionen Faschismusopfer bleibt von diesem Unsinn übrig?
Die inflationär verwandte moderne Worthülse "Faschismus" umhüllt all das, was Faschismus bedeutet, nicht mehr, sondern ist ein übergezogener Mantel zum Spazierentragen ideologischer Ansichten, die mit dem bezeichneten Gegenstand nur insofern etwas zu tun haben, als das sie ihn vehement ablehnen. Ein polemischer Kampfbegriff, der aber in diesem Falle leider mal die Millionen Faschismusopfer enthielt. Nicht wenige Autoren, so manchmal auch ich, schreiben hin und wieder in polemischem Stil, hart und übertrieben. Dann aber sollte klar sichtbar sein, dass eine übertriebene Polemik vorliegt, und auch die sollte ohne Verklärung klarer politische Begriffe und ohne deren Instrumentalisierung auskommen. Viele der unsäglichen Faschismusvorwürfe kommen allerdings (mehr oder weniger) sachlich eingebettet mit dem Anspruch daher, zu erklären und aufzuklären. Das ist dann, sofern es nicht aus Unwissenheit oder Verantwortungslosigkeit geschieht, Fehlinformation und Manipulation - übrigens ein beliebtes Propagandamittel von Faschisten.
Unter der Hamas-Fahne
Obwohl die Hamas die Bevölkerung im Gaza-Streifen brachial unterdrückt, verschafft sie sich immer mehr Respekt von Israel-Hassern und Antisemiten. Ein Essay über die linke Hamas-Solidarität.
in: "Jungle World- Die linke Wochenzeitung"
Drittens diskreditieren sich die Leute, die so etwas tun, selber, und auch die Sache, die sie zu vertreten vorgeben. Sich, das ist nicht schlimm. Schlimm ist, dass auch die Solidarität mit Opfern diskreditiert wird, in deren Rahmen diese Polemiken ja stattfinden. Freunde des palästinensischen Volkes, die mit hakenbekreuzten Israelflaggen herumlaufen, sind dem palästinensischen Volk schlechte Freunde. Leute, die Deutschland heute oder die EU oder nach Gusto dies und das als faschistisch outen, tragen zur Klärung und Lösung von Problemen nichts bei, außer dem Beton in ihren Köpfen.
Thema: Rechte und "Linke" - getrennt zuschlagen, aber gemeinsam marschieren?
In jeder Partei gibt es Personen, die zum Ungemach der Mehrheit der Mitglieder mit abstrusen Ideen das Parteibanner vor sich hertragen. Ich kann mich bei den Grünen zum Beispiel gut an Oswald Metzger erinnern. Ich sehe aber Unterschiede, ob Einzelne sich in der Öffentlichkeit zum Durchbruch bringen wollen, oder ob politische Gruppierungen innerhalb einer Partei ihrer Ideologie zuliebe völlig unsensibel darüber sind, dass sie für ihre politischen Kämpfe spontane Koalitionen mit Nazis, Antisemiten und Hamaspartisanen eingehen, dann noch das Prädikat "links" für sich in Anspruch nehmen und für das Europaparlament kandidieren. Zu welchem Zweck?
Folgende Artikel berichten über die "Friedensdemonstration" (Foto) in Berlin vom 3. Januar:
1. DIE LINKE Hamas, im Blog "no nazi" des Junggrünen Sebastian Brux
2. Antiisraelische Demonstration in Berlin | LINKE-Vertreter sind mit dabei, bebildert mit links, aus benjamin-krueger.net
3. "Der folgende Bericht zur gestrigen Palästina-Demo in Berlin wurde von einer Genossin für indymedia geschrieben. Da er dort mehrfach umgehend gelöscht wurde, sei er nun hier zur Dokumentation eingestellt."
4. Rechte, Linke, Islamisten - Hauptsache gegen Israel, aus welt-online
5. Der Konflikt der doppelten Standards, Diskussionspapier einiger Junger Grüner, im Blog "no nazi"
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