(3 Artikel erweitert und reaktualisiert)
"Versprechen betreffen nur diejenigen, die daran glauben". Dieses Jacques Chirac zugeschriebene Zitat eröffnet gleich zwei der sechs
Kommentare aus der afrikanischen Presse, die ich hier anstelle einer eigenen Kritik in voller Länge übersetzt vorstelle.
Warum macht der das, diese stundenlange Arbeit? Keine Bange um meine Person, es trainiert den Geist und als klitzekleines Schneiderlein schlage ich gerne mehrere Fliegen mit einer Klappe: meine eigene Meinung kommt in den durchaus nicht unisonen Texten auch zum Ausdruck, alleine wäre sie aber uninteressant und in einer Woche vergessen (wenn zuvor überhaupt gelesen), während dieser Bericht noch monatelang angegoogelt werden wird.
Zum Zweiten will ich immer wieder den afrikanischen Kontinent als einen darstellen, wo man tatsächlich auch denken kann, und zwar auch über sich selbst und nicht nur über sich selbst. Zum Dritten steht für mich persönlich als Weltbürger die Devise "global denken, global handeln" (eigentlich ja Aufgabe der G8) über dem richtigen "global denken, lokal handeln". Dazu gehört aber zuvor das "global sehen". Meine Sprachkenntnisse erlauben mir das, und so will ich mein Engagement auch dafür einsetzen, dies Euch, die Ihr diesen Beitrag lest, weil Ihr keine fremdsprachigen News durchknattert, auch zu ermöglichen. Kommen wir nach diesem persönlichen Einblick anstelle eines politischen Ausblicks also zur Sache:

Anm.: der frz. Sprechblasentext wurde von mir eingedeutscht
Für eventuell weniger Informierte als
»»» Vorabinfo: mein Artikel «G8 (II) - Der lasst hundert Blumen blühen - Gipfel?»
Neben "kleineren" Themen wie Nahrungsmittelpreise/ Biokraftstoffe und den Finanzkrisen waren beim G8-Gipfel in Japan zwei Themen die hauptsächlichen: Ziele für den Klimaschutz und die schon 2005 und 2007 verprochenen erhöhten jährlichen und einmaligen Afrikahilfen. Daher wird hier Afrika sprechen, und zwar über beides und mehr. Das Inhaltsverzeichnis der auf mehrere Seiten verteilten Texte befindet sich unten auf dieser Seite 1, sämtliche Bilder und Karikaturen habe ich hinzugefügt.
Einleitung jetzt ist eine mit einigen Zahlen von Oxfam beginnende Erklärung des französischen Sprechers der Nichtregierungsorganisation (NGO) Oxfam International Luc Lamprière [vom 8. Juli, »» zum Original]:
Oxfam hat ausgerechnet, dass beim bisherigen Zahlungsrythmus bei der einmaligen Hilfe für die Bekämpfung der Epidemien bis 2010 etwa 30 Milliarden am Versprechen fehlen. Diese Summe entspricht fünf Millionen geretteter Aids/HIV - Opfer.
Prozentual zu ihrer Wirtschaftsleistung ist die Entwicklungshilfe der G8-Staaten geringer als in den 1950er Jahren.
Im Vergleich zu 2006 sank sie 2007 um 14,1%. Ausnahmen: Kanada und Deutschland.
In den letzten sechs Monaten mobilisierte die G8 1000 (tausend) Milliarden Dollar zur Rettung ihrer Banken. Ein Zwanzigstel dieser Summe hätten gereicht, die den Afrikanern gemachten Versprechen einzulösen.
Presseerklärung:
"Unter dem Druck der NGOs scheiterte der Versuch der Führer der G8, ihre Versprechen zurückzunehmen. Nun bleiben ihnen noch zwei Jahre, um die in Gleneagles 2005 versprochenen Schecks zu unterschreiben.
Die Bestätigung der vor drei Jahren eingegangenen Verpflichtungen ist noch kein Sieg. Nach den schönen Reden auf den Gipfeln zurück in der Heimat pflegen die Chefs der G8 ihre Zusagen diskret zu begraben.
Die Schecks müssen schnellstens unterzeichnet werden. Erst wenn die fehlenden Gelder überwiesen sind kann das Ereignis gefeiert werden. Heute noch, in den nächsten 24 Stunden, sterben 8000 Menschen an Aids und 1400 Frauen bei der Niederkunft.
Als Präsident der EU für die kommenden sechs Monate hat Nicolas Sarkozy eine wichtige Rolle, um für die Einhaltung der Versprechen zu sorgen. Umso mehr, als im eigenen Land in den nächsten Tagen das Entwicklungshilfebudget für die nächsten drei Jahre festgelegt wird.
Oxfam France wird ihn sofort auffordern einen eindeutigen Zeitplan zur Erhöhung der französischen Hilfe vorzulegen, um die europäischen Ziele zu erreichen: bis 2015 0,7% des BIP, mit bis 2010 als Zwischenstufe 0,56%."
»»» Wer ist und was tut OXFAM?
Inhalt:
Seite 2: "Ein Dollar mehr für das Klima, einen Dollar weniger für die Gesundheit" aus der Webseite allafrica.com.
Seite 3: Eine sehr umfassende, kritische und sachliche Bilanz aus Algerien.
Seite 4: Zwei "kräftige", so selbstkritische wie G8-kritische Zeitungsartikel, und zwar aus Burkina Faso und dem Gabun.
ACHTUNG: Ab hier geht es wegen Hitzewelle, einer Seite 7 zur gescheiterten Welthandelskonferenz und nun dem Georgienkrieg erst in Mitte September weiter.
Seite 5: Ein etwas feuriger Bericht aus Mali über das dort gleichzeitig abgelaufene internationale Alternativforum.
Seite 6: Ausblick und Ende.
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