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Werte

  • Sticky Zeit

    "Blog" ist alles Mögliche oder Unmögliche, (wie auch in meinen Blogs zu sehen ;) ).
    Ursprung des Namens ist "Weblog", in Anlehnung an das Logbuch in der Seefahrt, früher eine Art Tagebuch der "Entdecker".
    Meine Blogfreundin "imbissylt" hat in eben dieser Tradition in einem spannenden Themenbereich dergestalt interessant entdeckt und erzählt, dass ich mich zu einem "mehr als ein Kommentar", einem Dialogansatz, aufgerufen fühlte.

    Links: "Onlinesucht: man strickt dagegen" von ihr,
    Rechts in gelb: Was mir Herz und Hirn dazu zu sagen einflüsterten.

    Mehr, höher, weiter, schneller, noch schneller, noch mehr und immer noch mehr und noch schneller.

    Mit 50 "jung" sein. Und mit 60 immer noch.
    Meine Mutter spielte nicht, sondern fightete mit über 60 auf einem Tennisplatz in einem Damenteam und war stolz drauf, lauter "Freundinnen" zu haben, die 15 Jahre jünger waren als sie. Jetzt ist sie 80 und seit über zehn Jahren fallen gelassen worden von dieser Horde von "guten Freundinnen". Ist einsam und weiss nicht, wie sie über den Tag kommt, wie sie ausser mit TV und Kreuzworträtseln die ihr verbleibende Zeit totschlagen kann.

    Neben mir sitzt ein Mensch mit einem iPhone und checkt seinen Status und den anderer auf Facebook. Er macht einen sehr nervösen Eindruck, streckt sich und hat es schwer ruhig sitzen zu bleiben. Kurz hatte er es weggelegt, aber schon gleich nimmt er es wieder in die Hand um den nächsten Musiktrack anzuspielen.

    Ich sitze im Zug und draußen fährt eine wunderschöne, malerische Herbstlandschaft vorbei mit aufgehender Sonne und sogar atmosphärischem Nebel über den Seen. Und der Mensch neben mir sitzt in seinem Sessel und versucht die Zugfahrt "zu überbrücken".

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  • Träger und Träger und Trägheit - Der Bildungsbürgerroman, Vorwort

    Im Mittelalter erschien der Grundstoff für den berühmten Roman über die Schildbürger, diese Schelmen, den wir in der einen oder anderen Form sicherlich alle kennen. Wäre es bald nicht an der Zeit, einen modernen Bildungsbürgerroman zu schreiben, aus einer fiktiven oder echten deutschen Stadt? Zwar reibe ich mich seit Beginn des Superwahljahres 2009, im laufenden Jahr besonders nach der Hamburger Volksabstimmung über sechs Jahre gemeinsames Lernen aller Schüler (darin weitere links), zunehmend am Selbstverständnis und dem politischen und sozialen Verhalten unserer Mittelschichten und ihrer geistigen Elite, dem Bildungsbürgertum, doch für einen ganzen Roman dürfte es bei mir mangels literarischer Qualitäten einige Jahre noch nicht reichen, wenn nicht nie.
    Als kleines Vorwort kann ich aber etwas beisteuern, eine kleine Geschichte, ob - dichterische Freiheit! - ausgedacht oder wahr, soll mögen die Leserinnen und Leser für sich entscheiden:

    "Seit einigen Wochen bin ich formal als Hartz IV- Ein- Euro- Jobber, praktisch halbtags als Hausmeistergehilfe für Grobarbeiten, in einem kommunalen kulturellen Zentrum einer Kleinststadt, einem ehemaligen Bauernhof, tätig",

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  • Wertediskussion: Können absurde Lohnunterschiede nur mit Geld ausgeglichen werden?

    "Ein Architekt bekam mehr Geld als ich, der Bodenleger. Er meinte, das müsse so sein, da er ja länger ausgebildet sei und mehr Verantwortung trage. Ich meinte:
    Ich nutze mich bei meiner Arbeit aber mehr ab, als Du: Ich fresse den Staub, wenn wir altes rausreißen, oder Neues schleifen. Ich kniee und bücke mich jeden Tag zig mal, das verschleißt meine Gelenke. Ich schneide mich häufig. Meine Ohren leiden unter dem Lärm beim arbeiten. Meine Nieren sind dem feuchten Zug im Neubau ausgesetzt. Ich habe ein viel höheres Risiko eine Fähigkeit meines Körpers durch einen Unfall bei meiner Arbeit zu verlieren, als Du.....Ich verstehe nicht, warum ich weniger Geld bekomme, obwohl ich mich mehr verschleiße, und wesentlich höhere Chancen habe früher von Erden zu gehen, als Du."

    Das ist der Anstoß einer sicherlich kleinen und privatimen Debatte im "Auerochse's Weblog", eine Einladung zum Dialog.
    Ich fand das dedramatisierende, offene, literarische Herangehen an das große Problem der Wertmaßstäbe in unserer Gesellschaft und Wirtschaft (die ich in anderen Artikeln als "westliches Zivilisationsmodell" benenne) vermittels einer kleinen Geschichte so gut, dass ich - privatim, literarisch aber authentisch - auf das Dialogangebot eingegangen bin:

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  • Toleranz, wo wir sie nicht vermuten - Ein Foto und seine Geschichte

    Als Atheist und Laizist äußere ich mich normalerweise lieber zu negativen Auswirkungen der Religionen. Wo aber negative Attribute einseitig jeweils anderen Religionen zugewiesen werden, da lasse ich auch gerne mal Fünfe gerade sein und zeige einen positiven Aspekt. Toleranz ist eine Eigenschaft, die man in unseren christlichen Ländern orthodoxen Juden und Muslimen gerne glatt abspricht, vor allem die gegenseitige Toleranz, die Fähigkeit zum friedlichen Miteinander.

    Also muss die Burka verboten werden - das Problem eines logischen Verbots der Trachten orthodoxer Juden ist man in Europa ja glücklicherweise los -, während christliche Priester in TV-Talks ohne Messecharakter selbstverständlich in vollem Ornat auftauchen dürfen. Das Christentum ist ja zum friedlichen Miteinander und zur Toleranz fähig - heisst es sogar, während Gewalt als Mittel christlicher Kindererziehung seitens anderer christlicher Priester als der liberal-christlichen Opinionmakers im Fernsehen nicht mehr als unglückliche Ausnahme hingestellt werden kann. Trotzdem: die Mixas sind halt schwarze Schafe, rückfolgert man aus der eigenen Behauptung, die christliche Religion sei im Unterschied zu anderen eben nicht unterdrückerisch.

    Hier also ein paar weisse Schafe der anderen:

    Jüdische Pilger in Dscherba, Tunesien, apr2010 (c)AFPFoto (c) AFP, 30.04.2010

    Dieses Foto zeigt jüdische Kinder bei einer Wallfahrt. Würden wir angesichts des T-Shirts vermuten, dass es sich um tiefgläubige Juden handelt, bei einer traditionsreichen Pilgerfahrt zu einer Synagoge, die erstmals im 6. Jahrhundert errichtet worden sein soll? Würden wir vermuten, dass diese Synagoge in einem muslimischen Land steht?

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  • Todesstrafe: "Die Welt".de wirbt für Verständnis

    Im Irak wurde der Massenmörder "Chemie Ali", ein Cousin Saddams, hingerichtet. "Dies ist kein Plädoyer für die Todesstrafe, ...., aber....", so beginnt bei welt-online, im Allgemeinen, so sah es aus, eine Hochhängerin angeblich unveräusserlicher, insbesondere "christlicher Werte", ein Kommentar, mit dem de facto ein Wert relativiert wird, der wegen der Unkorrigierbarkeit dieser absoluten Strafe auch absolut zu bleiben hat. Die Welt.de gibt hiermit einen Einblick, wie viel Wert und Unveräusserlichkeit eigene, in diesem Fall zu Recht als Banner der Zivilisation getragene, Werte bei den Konservativen wirklich haben.

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  • Gruß an die streikenden Studentinnen und Studenten: Schafft uns allen eine Perspektive!

    Natürlich bekommt auch ein in Nischenthemen versunkener Weltbeobachter wie unsereins manchmal Schlagzeilen aus der heimischen Presse mit. Alle paar Jährchen wieder fließt frisches Blut in die Adern meiner politischen Sehnsüchte, wenn es wieder heisst: die Studenten streiken, demonstrieren, besetzen Hörsäle. Ich bin 52, meine Jugend war vom Protest geprägt, auch wenn ich 1968 noch ein kleiner Junge war und erst etwas später die "Grenzen des Wachstums" vom Club of Rome las und mir der grenzen- und rücksichtslosen globalen Raffgier und Dominanzsucht unseres westlichen Zivilisationsmodells bewusst wurde. Vorne werden Natur, Menschen und Ressourcen gefressen, damit hinten Kapital und eine Konsumwelt hinausgedrückt werden kann, die doch nur in den Nachkriegsjahrzehnten, als es um Wiederaufbau, die Befriedigung elementarer materieller Bedürfnisse und die ersten Wohlstandswünsche ging, die Menschen glücklicher gemacht hatte. Und oben kommen Sprechblasen heraus über Werte, Menschenrechte, sogar Solidarität, über unter aufgeklärten Menschen selbstverständliche Dinge, die aber von den politischen und ökonomischen Eliten scheinends als eine Art käufliche Ware angesehen werden, deren Preis mit der Konjunktur oder der Nachfrage (bei Kritik an anderen) steigt oder fällt.

    Von den Geburtsjahren her gesehen zählten zu meiner kulturellen Generation eigentlich zwei Generationen, denn Mitte die 1960er waren die Älteren schon gut 30 Jahre alt, und zehn Jahre später die Jüngeren sogar gut unter 18, Dennoch sehe ich uns als eine Generation - gemeint ist natürlich immer eine Minderheit, aber eben eine sehr große - an, der ersten Generation nach dem Krieg, die einen radikalen Bruch vollzogen hatte mit dem, was man ihr als scheinbar fast perfekt verkaufen wollte, teilweise sogar mit der Elterngeneration, in der viele Menschen vom Materialismus, vom "Keine Experimente", vom "Weiter so", vom "Immer mehr" so sehr aufgefressen waren, dass sie sich einem Nachdenken, einer Infragestellung von Gegenwart, Vergangenheit und aus denen beiden geradlinig projektierter Zukunft glattweg verweigerten.

    Für den damaligen sozialdemokratischen Bundeskanzler Helmut Schmidt sind wir heute noch "pubertäre Spinner" und wohlstandsverwöhnte querulierende Fantasten.

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  • Viel haben oder gut leben - Fernsehtipp 3sat, Freitag 30.10.

    3sat, preis_des_geldes_logo01

    Dieses Bild stammt zwar von einem früheren Thementag von 3sat (siehe weiter unten), passt aber auch wie angegossen auf die Sendung über "Bruttosozialglück" statt Bruttosozialprodukt am kommenden Freitag, die ich hier im Rahmen meines Einsatzes gegen die "immer-mehr"- Wachstumsideologie (im tag » Nullwachstum zu finden, ein weiteres größeres Dossier dazu mit Übersetzungen aus der französischen ökosozialen Sammlungsbewegung Europe-Ecologie folgt spätestens Mitte November) empfehlen möchte:

    Weg vom Bruttosozialprodukt-Fetischismus, hin zum Bruttosozialglück,
    Beschreibung von 3sat:
    Im Kapitalismus ist das Bruttosozialprodukt das Maß aller Dinge. Und obwohl die Erste Welt nach wie vor reicher und produktiver ist als die Dritte, sind die Menschen hier nicht glücklich. Woran liegt das? Bereits in den 1970er Jahren erkannte der Club of Rome die "Grenzen des Wachstums". Immer wieder gab es Kritik an der gängigen Praxis, allein wirtschaftliche Produktivität als Gradmesser für Lebensqualität und Wohlstand zu nehmen:

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  • Fotomontage des westlichen Zivilisationsmodells -| + Sommerpause

    Notre modèle de civilisation occidental - Our western model of civilisation
    TEXTE ET IMAGE FRANCAIS PLUS BAS - ENGLISH PICTURE AT THE END OF THE POST

    20/07/09

    So viel hatte ich in meinen Beiträgen "Europe-Ecologie" darüber schwadroniert (bzw. meine französischen Bewegungskolleg(inn)en darüber schwadronieren lassen und das dann übersetzt), dass wir mit dem westlichen Zivilisationsmodell brechen und es sozial und ökologisch konvertieren müssen, dass ich eine genauere Darstellung davon schuldig war. Es wurde ein Bild, KLICK VERGRÖSSERT:

    Zivilisationsmodell-DE

    Und jetzt geht's aber wirklich hier in die schon vor einer Woche deklarierte Sommerlochpause, die ich wegen der letzten Neuigkeiten zu Gaza und Iran nochmal verschoben hatte. Morgen muss ich für ein paar Tage in eine Klinik, und will mir bei der Gelegenheit gleich das Rauchen abgewöhnen! Wegen vermutlich übler Laune sollte ich also dann noch einige Tage schweigen und möchte anschliessend etwas im Hintergrund werkeln.
    Schöne Ferien!
    Ihr Andreas

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  • "Mein Europa" - von Sandrine Bélier, Spitzenkandidatin bei Europe-Ecologie

    EUROREGION GRAND EST: Sandrine Bélier, 36 Jahre
    Sandrine Belier3Jurastudium in Paris und Straßburg, Diplome in Umweltrecht und öffentlichem Recht, Fachrichtung "Menschenrechte"
    »»» SYMPATHISCHES FILMCHEN "GESICHTER DER KAMPAGNE - SANDRINE UNTERSTÜTZEN"
    1996 Assistentin bei der Union Internationale de Conservation de la Nature in Bonn und beim Europarat; 1998 - 2001 juristische Verantwortliche der Umweltorganisation Alsace Nature, 2001-2008 dort Regionaldirektorin; 2008 Föderationsleiterin der nationalen Organisation France Nature et Environnement FNE; Ende 2008 Gründungsmitglied und Kandidatin bei Europe-Ecologie, morgen im Europaparlament; seit 1997 in verschiedenen Umweltverbänden engagiert;
    »»» MEHR VON IHR UND ÜBER SIE IM ARTIKEL "ZUR ÖKOLOGISCHEN ENTWICKLUNG"

    Etwa zeitgleich mit Bütikofers erstem "Brief zur Europawahl" hat Sandrine vorgestern ihren letzten geschrieben, ihren letzten von vielen; der Wahlkampf der französischen "écolos" lief nicht nach dem Motto "Die letzten 72 Stunden entscheiden" und "mach wums, dann kummts", sondern war dynamisch, hat mehrere Monate in gleicher Intensität angehalten, und hat weit über die grünen Wirtschaftsprogramme Green New Deal hinaus mit tiefgehenden Debatten über die Verfaultheit unseres Modells der produktivistischen Hyperkonsumgesellschaft an die Intelligenz der Wähler appelliert. Das Manifest von Europe-Ecologie öffnete vor einigen Monaten einen Kreis, der nach seinem Lauf über Aberdutzende verschiedenster Reden, Artikel und Interviews (von denen ich hier ein Dutzend übersetzt habe) politisch von Cohn-Bendit und José Bové im Artikel "Für einen demokratischen Neuaufschwung Europas", und jetzt auf persönlichere, emotionalere Weise von Sandrine geschlossen wird.
    Mein kleiner Wahlkampf hier ist seit drei Tagen vorbei. Ich verdanke Europe-Ecologie aber persönlich sehr viel an Wiederbelebung von seit meiner Jugend nach und nach hinuntergerutschter Kraft und Motivation, die aus Träumen und untermauerter realer Hoffnung schöpfen; dazu ein wenig in meinem Kommentar direkt nach diesem Artikel. So übersetze ich diesen Brief doch noch:

    Von Sandrine Bélier, »»» frz Originaltext

    Mein Europa ist nicht das Europa von gestern; es ist das Europa von heute und von morgen. Es ist ein Europa, welches sich seiner selbst bewusst wird, welches Vertrauen in sich gewinnt. Die Vergangenheit ist nur wichtig, um die Zukunft zu gestalten, um aus ihr zu lernen, damit man wieder in Gang kommen und aufbauen kann. Heute obliegt es uns mehr als je zuvor aus den schlechten Orientierungen und Entscheidungen, die Ende 2008 zur Explosion des Wirtschaftsmodells geführt haben, Lehren zu ziehen.

    Weil die Welt anders geworden ist, Europa sich verändert hat, wir uns verändert haben, müssen wir uns nun nicht nur den Veränderungen anpassen, sondern viel mehr noch als das verschiedene Dinge an den Tag legen und beweisen: gebraucht werden Vorstellungskraft, Verantwortlichkeit und Aufrichtigkeit, um aus einer globalen Krise nachhaltig heraus- und der nächsten zuvorzukommen, welche sich nicht auf eine ökonomische und finanzielle Krise beschränken, welche mit einer sozialen Krise zusammenfließen, welche eine präzedenzlose ökologische und klimatische Krise einfach ignorieren.
    Alles ist miteinander verbunden, und die heutige Situation ist nichts anderes als das Resultat alter Entscheidungen zur Weiterentwicklung, die innerhalb von 50 Jahren nur zu größeren Schäden an uns Menschen und der Umwelt geführt haben als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.

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  • Über Finanzblasen und Absurdität, Kapitalismus und Kommunismus

    Wer, wie und was ist wie kaputt? Essay.

    Teil I, 27.11.2008 - (Fortsetzung ist ganz unten verlinkt):
    Manchmal geht es mir so, dass ich auch bei öfter mal gelesenen Dingen zu Themen in denen ich einigermaßen firm bin, bei längst verstanden geglaubten Dingen per Zufall noch einmal einen Aha-Effekt mit komplexeren und sachübergreifenderen Einsichten bekomme. So geschehen neulich, als ich bei der Lektüre des Artikels
    "Wann kommt die Große Depression?" im Spiegelfechter auf folgenden Satz stieß:

    Blasenökonomie
    Spekulationsblasen entstehen aus verschiedenen Gründen. Auf den Finanzmärkten können Gier, Herdenverhalten oder eine zu hohe Liquidität zur Blasenbildung führen. Nach einer Theorie des Ökonomen Hyman Minsky führt ein lang anhaltender Aufschwung, verbunden mit Liquiditätsüberschüssen und einer geringen Volatilität an den Märkten zwangsläufig zu einer Blasenbildung........

    Kurz nach der Freude, diesen ökonomischen Effekt mal nicht nur ökonomisch oder historisch, sondern auch mit sozialpsychologischen Elementen versetzt erklärt bekommen zu haben, die nicht platt "das System" anprangern, sondern auch auf den handelnden Menschen verweisen, kurz danach kamen bei mir auch derartige Assoziationen und der obengenannte Aha-Effekt.
    Diesen kleinen Kommentar schrieb ich dann im Spiegelfechter:

    Immer "cool", von zu viel Liquidität, also Geld, viel zu viel Geld, zu lesen, das dann zu Blasenbildungen führen kann, die dann platzen können, was das ganze Geld verbrennt. Da sieht man die Absurdität, ein anderes Wort gibt es nicht, höchstens noch Perversität, wenn man bedenkt dass das zuviele und in die wahrscheinliche Vernichtung investierte Geld doch dahin gegeben hätte werden können, wo es gebraucht wird. Beispiele brauche ich wohl nicht zu nennen. (smiley, der wo sich vor Bus wirft).

    Absurdität. Absurd ist eine Situation, wo zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen, dennoch untrennbar miteinander verbunden sind. So beschreibt zum Beispiel Albert Camus in seiner existenzialistischen Daseinsphilosophie das menschliche Leben als absurd: Leben und Tod sind zwei völlig gegensätzliche Dinge, das eine schließt das andere aus, und trotzdem sind sie im menschlichen Dasein beide untrennbar miteinander verbunden. Tod kann erst sein, wenn Leben war, und unser Leben endet mit ihm. Daher ist für Camus unser Leben absurd, und ohne einen über das Leben selber hinausgehenden höheren Sinn; der Mensch ist sich und dem Leben gegenüber fremd.

    Der nun schon etwas strapazierte Leser verzeihe mir bitte diesen kleinen Umweg über auch meine Existenzphilosophie zwecks Klärungsbedarfes eines Begriffsinhaltes, denn kurz nach der Feststellung, dass Finanzblasen, aufgrund von zuviel Liquidität und zum Zwecke weiterer Bereicherung veranstaltet, jedoch zur Vernichtung eben dieser Liquidität führend, dass diese also absurd sind, nach dieser Feststellung stellt sich doch sofort die wesentlich relevantere Frage, was genau denn nun absurd ist: das ökonomische System alleine, das ist die materialistische Erklärung, oder auch der dafür verantwortliche Mensch als Schöpfer der Systeme seiner Zivilisationen. Diese Frage ist relevant für die Suche nach Lösungsmöglichkeiten. Wie weit muss zurück und nach vorn gegriffen werden, wie tief muss sich was verändern?

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von Bertrams aus Het Parool(Amsterdam) 0903JoepBertrams Patrick Chappatte (Suisse) – Le Temps (Genève) – 3 février 2007 eattherichtheyneedit G-20 Superheros
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